Internationaler Seegerichtshof

Interim für den Gerichtssaal

1 / 1

Internationaler Seegerichtshof

Der Internationale Seegerichtshof tagt seit 1996 in Hamburg.

Er ist ein unabhängiges Gericht, das durch das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen geschaffen wurde. Hier werden Streitigkeiten entschieden, die sich aus der Auslegung und Anwendung des Seerechtsübereinkommens ergeben. Diese können beispielsweise Grenzkonflikte auf See, festgesetzte Schiffe oder auch den Schutz der Meeresumwelt betreffen.

Im Juli 2000 wurde der Neubau des Seegerichtshofs, dessen Planung durch das Büro von Branca nach einem gewonnenen Architekturwettbewerb erfolgte, in Hamburg-Nienstedten offiziell eingeweiht. Über die Jahre sind die Anforderungen an die Anlagen- und Medientechnik deutlich gestiegen und mussten im Zuge einer Sanierung auf den neusten Stand gebracht werden. Während der Bauphase sollte es jedoch möglich bleiben, innerhalb von zwei Wochen dem Gericht medientechnisch voll ausgestattete Räumlichkeiten für Tagungen und Verhandlungen zur Verfügung zu stellen. Daher entschied man sich, übergangsweise in der Rotunde des Foyers im Erdgeschoss ein Interim für den Gerichtssaal zu bauen. Auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie von TSJ Architekten wurde für den Interimsbau eine „Raum in Raum Lösung“ gewählt. Hierfür wurde die Rotunde von der Eingangshalle räumlich getrennt. Für die übergangsweise Umnutzung mussten die Technische Gebäudeausrüstung, die brandschutztechnischen Maßnahmen und die Raumakustik angepasst werden.

Für die Sanierung der Anlagen- und Medientechnik wurde die vorhandene Abhangdecke bis zur Rohdecke zurückgebaut, neue Elektroleitungen verlegt sowie die Lüftungsschächte erneuert. Um die Raumakustik dauerhaft zu verbessern, baute man eine Akustikputzdecke monolithisch und fugenlos ein. Außerdem wurden ein neues Lichtkonzept installiert und die notwendige Kamera- und Medientechnik für die Gerichtsverhandlungen eingebaut.

Um den Bestandsfußboden zu schützen und neue Leitungen verlegen zu können, wurde ein Doppelboden mit einem Hohlbodensystem geplant. Auf diesem Boden konnte in Trockenbauweise das Richterpult, die Richterrückwand und ein Gang, in dem die Richter zu ihren Plätzen gelangen können, errichtet. Die Rückwand ist gemäß dem geplanten Akustiksystem gerillt und besteht aus Furnier-Kirschholz. Der Raumabschluss zur Eingangshalle und zu den Toiletten wurde ebenfalls als gelochte Akustikwand hergestellt.

Das Interim des Gerichtssaals wurde in elf Monaten mit einem Bauvolumen von rund 1,2 Millionen Euro im laufenden Betrieb fertiggestellt und im September 2021 an den Nutzer übergeben. Der Saal bietet neben einem Rednerpult Platz für 25 Richter, sechs juristische Mitarbeiter, sechs Gerichtsschreiber, zweimal sechs Personen je Streitpartei, einen Zeugen sowie sechs Dolmetscher und Zuschauer. Damit erfüllt das Interim hinsichtlich der Dimension und Ausstattung die gleichen Anforderungen wie der bestehende Gerichtssaal, der bis Dezember 2022 vollumfänglich modernisiert wird. Der Rückbau des Interims wird zwischen Januar und Februar 2023 stattfinden.


Baudaten

Objekt: Interims Gerichtssaal

Liegenschaft: Internationaler Seegerichtshof, Am Internationalen Seegerichtshof 1, 22609 Hamburg

Maßnahmenträger: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

Architekten:, Architekt Sanierung: TSJ Architekten, Hannover

Projektleitung: BBA, Hamburg

Bauzeit: Oktober 2020 – September 2021

Brutto-Grundfläche: Brutto-Grundfläche: 400 m² (Interim Gerichtssaal)

Baukosten: Gesamtkosten: 1,2 Mio. Euro